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Vorschau

2. April bis 9. Juli 2017
Ausstellung im Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See

PURRMANN UND DER EXPRESSIONISMUS

Die Frühjahrsausstellung im Buchheim Museum ist dieses Jahr dem großen Koloristen Hans Purrmann (1880 – 1966) gewidmet. Eine ähnlich umfangreiche Präsentation des Malers und Grafikers hatte es in Bayern zuletzt 1962 im Haus der Kunst und 1976 in der Villa Stuck gegeben.

Purrmann, in Speyer aufgewachsen, studierte bis 1905 bei dem Münchner Malerfürsten Franz von Stuck. Über Berlin zog es ihn schließlich nach Paris, wo er Anschluss an die internationale Avantgarde fand. Mit Henri Matisse verband ihn eine Künstlerfreundschaft. Gemeinsam gründeten sie die Académie Matisse. Deutlich durch den zehn Jahre älteren Matisse beeinflusst zeigt sich Purrmann in dem heiteren Kolorit, dem spielerischen Bildaufbau und der Leichtigkeit der Bildthemen. Doch entfaltet er in Paris, Berlin, Langenargen am Bodensee, Florenz und nach 1945 im Tessin ein Œuvre, das mit seinen reich nuancierten und leuchtenden Farben als eigenständiger Beitrag zur Moderne zu gelten hat.

Felix Billeter, Leiter des in München ansässigen Hans Purrmann Archivs, und Daniel J. Schreiber, Direktor des Buchheim Museums, kuratieren die Ausstellung gemeinsam. Sie experimentieren in dieser Schau mit einer noch nie da gewesenen Gegenüberstellung der anmutigen Kompositionen Purrmanns mit den zeichenhaft verknappten Bildern der deutschen Expressionisten. 80 Landschaften, Stillleben, Akte oder Interieur-Darstellungen der Jahre zwischen 1900 und 1966 von Purrmann können in Korrespondenz mit den expressionistischen Werken der Sammlung Buchheim genossen werden. Daneben erfährt der Besucher, wie Purrmann seine eigene Stellung in der Moderne und seine Haltung zum Expressionismus beschreibt.

In diesen sinnlich erlebbaren Gegenüberstellungen wird die besondere Position Purrmanns augenfällig. Die nationalen und künstlerischen Antagonismen zwischen Deutschland und Frankreich vor dem Ersten Weltkrieg lassen sich erahnen. Der Besucher bekommt einen Eindruck vom »Kampf um die Kunst«, der damals herrschte und die Kunstszene im frühen 20. Jahrhundert nachhaltig prägte.

In Deutschland als »Französling« beargwöhnt, in Frankreich als Deutscher des Landes verwiesen, hat Purrmann in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts immer noch nicht den Platz erlangt, den er verdient. Durch die hochwertige Auswahl an Bildern, die dank der freundlichen Unterstützung der Erben Purrmanns und zahlreicher anderer Leihgeber zustande kam, weckt die Ausstellung Begeisterung für die unverhohlene Schönheit von Purrmanns Werk. Durch die Konfrontation mit den deutschen Expressionisten lädt sie überdies zu einer Revision und Neuverortung Purrmanns ein. Während Beckmann, Jawlensky und die Brücke-Künstler eine Steigerung des Ausdrucks in der Vereinfachung der Komposition suchten, lag Purrmann daran, durch anregende Farbkompositionen und differenzierte Pinselführung eine optimistische Weltsicht zu vermitteln.

Weitere Informationen:
https://www.buchheimmuseum.de/aktuell/2017/purrmann.php

Katalog
Zur Ausstellung erscheint im Buchheim Verlag ein bebilderter Katalog mit Texten von Felix Billeter, Julie Kennedy, Lisa Kern, Daniel J. Schreiber, Vanessa Voigt, Christoph Wagner und Hans Purrmann

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1, 82347 Bernried am Starnberger See
Tel. 08158 9970-0
info@buchheimmuseum.de
www.buchheimmuseum.de

Vergangene Ausstellungen und Veranstaltungen

Hans Purrmann – Die Farben des Südens

Der Künstler Hans Purrmann (1880-1966) studierte in Karlsruhe und München, u. a. gemeinsam mit Paul Klee und Wassily Kandinsky bei Franz von Stuck. Er fand aber erst in Berlin und später in seiner Wahlheimat Paris als Schüler und Freund von Henri Matisse zu seinem eigenen Stil. Dieser ist geprägt von einer Nähe zur Natur, dem deutschen Impressionismus Max Liebermanns und Max Slevogts sowie besonders vom bewunderten Vorbild Paul Cézanne und dem Künstlerfreund Henri Matisse.

Hans Purrmann ist vor allem für seine Stillleben, Porträts, Akte und insbesondere von mediterranem Licht durchflutete, farbige Landschaften bekannt. Seine Werke zeichnen sich durch ein besonderes Gespür für koloristische Feinheiten, ausgewogene Kontraste und Atmosphäre aus. Der von den Nationalsozialisten als entartet verfemte Künstler leitete von 1935 bis 1943 die Deutsche Künstlerstiftung Villa Romana in Florenz.

In der Bitburger Ausstellung wird eine Auswahl seiner Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden gezeigt. Die Leihgaben stammen von namhaften Museen und aus Privatbesitz.

Anlässlich der Vernissage wird der von der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung herausgegebene Katalog zur Ausstellung vorgestellt.

Haus Beda Bitburg
20.9.2015 – 3.1.2016

Angermuseum Erfurt
7.2.2016 – 16.5.2016


Wege zu Hans Purrmann – Expression und Farbe

Internationales Symposium am 8. und 9. Oktober 2015 am Institut für Kunstgeschichte der Universität Regensburg

Der aus der Pfalz stammende Maler Hans Purrmann (1880–1966) entwickelte sich im Laufe seines Lebens zu einem Künstler von europäischem Format. Seit 2014 ist die wissenschaftliche Dokumentation seines umfangreichen OEuvres abgeschlossen.

Anlässlich seines bevorstehenden 50. Todestages veranstaltet der Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit der Hans Purrmann-Stiftung und dem Purrmann-Archiv München ein wissenschaftliches Symposium, das neue Forschungen zu Leben und Werk Purrmanns auf internationaler Ebene diskutiert und unter Beteiligung renommierter Autoren in einem Aufsatzband bündelt.

Die entstehende Publikation knüpft zudem an eine bereits bestehende Tradition von Gedenkschriften zu Purrmanns Tod 1966 an: 1996 erschienen die Reden über Purrmann. 2006 fand in der Kunsthalle Tübingen – auf Basis des Werkverzeichnisses der Gemälde – eine umfassende Werkschau von Gemälde und Aquarellen statt. Die bisher einzige

Monographie erschien 1950, also noch zu Lebzeiten des Künstlers (Edmund Hausen).

Im Rahmen des Symposiums werden namhafte Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker mit Blick auf Hauptwerke die Lebens- und Schaffensphasen von Hans Purrmann im jeweiligen historischen Kontext beleuchten. Sein abwechslungsreiches Leben bietet sich für eine solche Betrachtung geradezu an: Der Künstler hat in den zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtigen Kunstmetropolen München, Berlin und Paris sowie später in Italien und der italienischen

Schweiz gelebt. Die nicht immer freiwilligen Ortswechsel waren nicht nur für seine künstlerische Praxis bedeutsam, sie machten Purrmann auch zum Rezipienten und Akteur unterschiedlichster Kultur- und Künstlerkreise. Besondere Berücksichtigung wird bei der Realisierung von Symposium und anschließender Publikation die Auswertung der umfänglichen Quellen im Purrmann-Archiv München finden.